12.05.2012: Frühlingsfest


Die subjektive Chronik einer Großveranstaltung

Die Fakten

Am 12. Mai 2012 fand auf dem Gelände unserer Schule das Frühlingsfest statt. Erstmals in der fast 20-jährigen Geschichte der FES haben wir eine Großveranstaltung dieser Dimension durchgeführt. Im Innenhof wurde eine professionelle Bühne aufgebaut. Die Vorbereitungen für das Fest hatten im Februar 2011 begonnen.

Freitag, 11.05., 17 Uhr:

Noch einmal die Beine hochlegen, kurz entspannen vor dem großen Ereignis. Das Telefon klingelt. „Herr Hirschwald, die Bühne ist ja noch gar nicht aufgebaut, die Eltern wollen die Kulissen aufstellen.“ Es wird nichts mit dem Entspannen, ich rufe noch schnell im FES-Hort an und frage, ob jemand beim Bühnenaufbau helfen kann. Dann fahre ich selbst los, quer durch die Stadt – wir wohnen ganz im Westen von Dresden. Laut Vertrag der Bühnenfirma müssen für Auf- und Abbau acht Helfer gestellt werden. Aber das stand irgendwo im Kleingedrucken und somit wurde dieses kleine Detail übersehen. Als ich kurz vor 18 Uhr das Schulgelände erreiche, steht bereits das Podest der Bühne, nun geht aber erst mal ein kräftiger Regenschauer nieder. Anschließend geht es aber zügig voran, weil viele Eltern aus dem Musicalteam tatkräftig mit anpacken. Derweil suche ich eine Steckdose für Starkstrom – auch darüber hatte der Veranstalter nicht informiert.

Freitag, 11.05., 19 Uhr:

Es gibt auch gute Nachrichten. Der Transporter mit den Biertischen trifft ein. Zusätzlich zu unseren eigenen Tischen haben wir uns 30 Garnituren aus verschiedenen Gemeinden zusammengeborgt. Um 20 Uhr verlasse ich das Gelände. Es ist eine warme Sommernacht, was reden die da im Wetterbericht von Kälteeinbruch?

Samstag, 12.05., 9 Uhr:

Als ich das Schulgelände erreiche, ist die Technik bereits fertig aufgebaut. Das ist aber vorerst die einzige gute Nachricht an diesem Morgen. Es ist eiskalt, ich habe mir drei Pullover übereinander angezogen. Der Frühling ist uns in der letzten Nacht abhanden gekommen. Der Himmel ist wolkenverhangen, ein paar Tropfen fallen. Wir haben doch alle kräftig gebetet. Im Vorbereitungskreis habe ich immer darauf bestanden, keine Regenvariante zu planen. Ich war mir so sicher und nun dieses Wetter. Der Schulhof ist noch verweist, sollten hier nicht schon ein paar Tische stehen? Nur auf der Bühne wird fürs Musical geprobt, ansonsten sieht hier noch nichts nach Fest aus.

11 Uhr:

Acht Händler haben inzwischen ihre Stände aufgebaut, nur einige wenige fehlen noch. Auch die Blumentische stehen und die Pflanzen wurden geliefert. Überall geschäftiges Treiben. Es ist wie beim Anschieben eines Wagens an einem leicht abschüssigen Hang. Die ersten Meter geht es nur langsam voran. Ich trage Tische auf den Hof, erkläre zwischendurch, wie die Gastronomie-Kaffeemaschine bedient werden muss und begrüße den Posaunenchor der Versöhnungsgemeinde, der um 12 Uhr unser Fest eröffnet.

12 Uhr:

„Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“, tönen die Posauen durch die Hausdorfer Straße. Eine Handvoll Leute hört zu, sonst ist von Besuchern nichts zu sehen. 1.000 Pflanzen warten auf Käufer. Wer soll die bloß alle kaufen? Haben wir zu hoch gepokert? Waren die 5.000 verteilten Flyer zu wenig? Im Anschluss singt der Gospelchor der Lukaskirchgemeinde, Zuhörer sind noch immer Mangelware.

13 Uhr:

Der Himmel reißt auf. Ich kann den ersten meiner drei Pullover ausziehen. Am Blumenstand ist jetzt mäßiger Betrieb, beim Bungee-Trampolin gibt es sogar eine Warteschlange. Immer mehr Menschen finden sich im Innenhof ein. Das Musical steht kurz bevor. Ein kurzes Interview mit Gottfried Schumacher zum Schulhausneubau, dann ist die Bühne frei für „Esther – Stern von Persien“. An den Tischen, Bänken und auf den ausgelegten Matten haben rund 300 Menschen Platz genommen. Da ich das Musical zur Generalprobe schon gesehen habe, bleibt mir ein wenig Zeit, mich bei den Ständen und auf dem Flohmarkt umzuschauen. Überall nehmen die Geschäfte an Fahrt auf. Der Wagen, den wir am Morgen so mühevoll angeschoben haben, wird immer schneller.

16 Uhr:

Es ist noch wärmer geworden, ich kann den letzten Pullover ausziehen. Beim Eiswagen hat sich eine Schlange gebildet. Herr im Himmel, warum habe ich gezweifelt?
Ich begrüße das Tanzstudio Dancelife, das uns eine tolle Darbietung auf der Bühne präsentiert. Der Innenhof ist noch immer voll. Die Stimmung ist gut. Mehr als die Hälfte der Pflanzen sind verkauft.

17 Uhr:

Nachdem ich bei den Händlern die Teilnehmergebühr eingesammelt habe, eröffne ich die Versteigerung auf der Bühne. Diverse Gutscheine für Cafe, Restaurant und Friseurbesuch kommen unter den Hammer. Um 18 Uhr sind wir schon längst nicht mehr im Zeitplan. Jetzt sollte eigentlich das Konzert mit Sarah Brendel beginnen. Ich will die Versteigerung beschleunigen. Geht aber nicht. Es kommen immer wieder neue Gebote. Der Herr in der grünen Jacke, die Dame mit dem gelben Schal – wer bietet noch für den 30-Eurogutschein?

19 Uhr:

Meine Kräfte sind gewichen. Ich bin erschöpft. Das Konzert beginnt. Einen Augenblick hätte ich gerne zugehört, doch die Chancen stehen schlecht. „Können Sie das Geld für die Blumen noch schnell verbuchen? Haben Sie einen Schlüssel für die Aula? Wissen Sie, wo die nicht abgeholten Requisiten vom Musical hingestellt wurden?

20 Uhr:

Ich habe noch ein paar Pflanzen ergattert und verlasse das Gelände. Ein Besucher spricht mich an. „Das war ja ein tolles Fest, machen Sie das im nächsten Jahr wieder?“

Epilog:

Noch wurden nicht alle Centstücke gezählt, aber die Gesamtbilanz nach Abzug der Kosten beträgt ca 4.500 Euro. Mehr als 100 Helfer haben dieses Fest möglich gemacht. Und es hat nicht geregnet. Das Motto für den Neubau kommt mir in den Sinn: „Wir bauen ein neues Schulhaus – mit Ihren Gaben und Gottes Segen.“ Beides war am 12. Mai hautnah erlebbar: Ihre Gaben und Gottes Segen.

Clemens Hirschwald